PFOA ist extrem stabil, das bedeutet, es baut sich in der Umwelt so gut wie nicht ab. Damit ist PFOA auch bioakkumulativ, das heisst, es reichert sich in Lebewesen an. Logischerweise umso mehr je höher man in der Nahrungskette ist. Wegen der Stabilität bleibt es dann natürlich dort und kann seine negative Wirkung entfalten.

Welche Gesundheitsrisiken bestehen nun tatsächlich?

  • Schädigung des Immunsystems bei Kindern
  • Erhöhtes Krebsrisiko
  • Reduzierte Fruchtbarkeit
  • Leberschädigung

Aber wie groß ist das Risiko tatsächlich? Potentiell krebserregend - davor wird häufig gewarnt -  Salz, rotes Fleisch, Kartoffelchips (Acrylamid), Handystrahlung etc. Auch wenn die Sorge verständlich ist, alleine das Attribut "möglicherweise krebserregend" sagt noch nicht so viel aus über die konkrete Gefahr. Bei allen Schadstoffen und Umweltgiften gilt: Die Dosis macht das Gift.

Ein wichtiger Hinweis auf die tatsächliche Gefährlichkeit einer Substanz bietet der sogenannte HBM-Wert. HBM steht für Human-Biomonitoring. Eine Kommission des Umweltbundesamtes bewertet hierbei die Auswirkung von Schadstoffen auf die menschliche Gesundheit. Dabei werden 2 Werte festgesetzt:

  • Der HBM-1 Wert bestimmt eine Konzentration, bis zu der eine Belastung unbedenklich ist. 
  • Der HBM-2 Wert bestimmt die Menge ab der eine relevante gesundheitliche Gefährdung besteht.

Also für Laien: Bis HBM-1 ist alles OK, ab HBM-2 ist es bedenklich und dazwischen weiss man nicht so genau. Das bezieht sich natürlich immer auf den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis. 

-> Beurteilungswerte der HBM-Kommission

Zu PFOA gibt es heute zwar einen HBM-1 Wert (Bekanntmachung Umweltbundesamt) aber noch keinen HBM-2 Wert. Also wissen wir im Landkreis Altötting nur, dass die Belastung zwar nicht mehr unbedenklich ist, aber nicht wie gefährlich sie tatsächlich ist. Wahrscheinlich ist die Faktenlage zu dünn, da diese hohen PFOA-Belastungen ein sehr lokal begrenztes Problem sind.

Einen Überblick über die Krebserkrankungen bietet das Bayrische Krebsregister. Dort werden seit 2002 alle Neuerkrankungen erfasst und ausgewertet. Ich konnte hier weder bei Krebserkrankungen allgemein noch bei speziellen Tumoren eine signifikante Häufung im Landkreis Altötting sehen. Es ist aber bei einer so kleinen Fallzahl auch nicht seriös eine statistische Relevanz zu behaupten. (Z.B. Leberkrebs 2011:11, 2012:18, 2013:12, 2014:10) 

Auch das Landratsamt AÖ schreibt dazu: "Zusammenfassend betrachtet ergeben sich derzeit keine Hinweise auf eine relevante Erhöhung des Risikos einer Neuerkrankung an Hoden- bzw. Nierenkrebs gegenüber dem bayerischen Durchschnittswert für die Bevölkerung in den Gemeinden Burgkirchen a. d. Alz, Emmerting, Haiming, Kastl, Markt Marktl, Stammham, Markt Tüßling sowie der Stadt Neuötting. "

Aber dieser Quelle könnte man natürlich auch mangelnde Objektivität unterstellen. Offiziellen Stellen zu misstrauen ist gerade sehr in Mode und es ist sicherlich auch nicht falsch erst einmal alle Quellen kritisch zu hinterfragen.

Und natürlich kann man keineswegs Entwarnung geben, da gerade langfristige Exposition das Krebsrisiko erhöht. 

Fest steht nur eines: In unserem Wasser ist ein Stoff, der da nicht hingehört.