PFOA

Die Belastung mit PFOA insbesondere im Trinkwasser ist zur Zeit das bestimmende Thema im Landkreis Altötting. Jahrelang wurde PFOA im Werk Gendorf verwendet und - erlaubterweise - tonnenweise in die Umwelt entsorgt. Fatalerweise zersetzt sich PFOA nicht. So hat es sich insbesondere im Öttinger Forst angesammelt und ist bis in die grundwasserführenden Schichten gesickert. In einem Gebiet aus dem ein großer Teil des Landkreises sein Trinkwasser bezogen hat.

Das skandalöse ist, dass der Einsatz von PFOA im Mutterland des Konzerns 3M bereits 2002 wegen der Gesundheitsgefahren beendet wurde. In Deutschland hat hingegen die 3M Tochter Dyneon die Chemikalie bis 2008 weiter verwendet. 

Diese Problematik war jedoch im Landkreis nie ein großes Thema, bis 2006 Greenpeace mit einer Aktion darauf aufmerksam machte.

Wir werden versuchen hier Informationen rund um dieses Thema zu sammeln und dabei möglichst objektiv zu sein, weder verharmlosen noch Panik schüren. Uns ist dabei natürlich klar, dass Objektivität nur ein frommer Wunsch sein kann. Sollten Sie, geschätzter Leser, der Meinung sein, wir haben das Gebot der Objektivität grob mißachtet, oder wenn Sie wichtige zusätzliche Informationen haben, die hier nicht fehlen dürfen, so würden wir uns über eine E-Mail an info (at) freie-waehler-neuötting freuen.

Gesundheitsgefahren

Studien haben Hinweise auf leberschädigende, reproduktionstoxische und krebserregende Eigenschaften von PFOA ergeben.

Wie gefährlich PFOA tatsächlich ist, dazu gibt es bisher wenig Belastbares. 

lesen Sie mehr dazu hier...

Absenkung des Leitwerts für PFOA

Schon vor der Stilllegung der Neuöttinger Brunnen war PFOA ein Thema im Neuöttinger Stadtrat. Anders als der Wasserzweckverband Inn-Salzach, der einen Brunnen in Alzgern betreibt und aufgrund der hohen Belastung schon seit 2009 das Wasser mit Aktivkohle reinigen musste, konnte die Wasserversorgung von Alt-Neuötting durch Zumischung von Tiefbrunnenwasser aus der Osterwies eine ausreichende Qualität halten.

Jedoch wusste man bereits, dass zum einen die Werte steigen werden, und das noch viele Jahre, und dass es wahrscheinlich zu einer Absenkung des Leitwerts kommen werde. Und damit würde von einem Tag auf den anderen das Trinkwasser bedenklich werden. 

Das geschah dann auch im September 2016. Das Bundesumweltamt senkte den Leitwert von 0,3 auf 01µg. Daraufhin reagierte man umgehend und die beiden Neuöttinger Brunnen wurden abgeschaltet. Man könnte auch böse sagen, der Grund für die Abschaltung war nicht etwa, dass die Qualität sich verschlechtert hat sondern, dass der Leitwert gesenkt wurde. 

Nun zieht sich die Herstellung einer Filteranlage schon geraume Zeit. Und die Neuöttinger Brunnen bleiben abgeschaltet.

Was ist mit Kastl und Tüßling?

Kastl und Tüßling wird nach wie vor mit Leitungswasser mit einer PFOA-Konzentration über dem Leitwert versorgt. Darf das sein? 

Für PFOA gibt es keinen Grenzwert, lediglich einen Leitwert. Ein Grenzwert ist eine festgelegte Höchstkonzentration. Beispielsweise wenn ein Stoff akut giftig oder gesundheitsschädigend ist.

Dagegen ist ein Leitwert ein Wert bei dem eine "kleine, mit Zeit und Konzentration allerdings zunehmende Wahrscheinlichkeit [..] einer Besorgnis" besteht

"Ein Leitwert soll, falls überschritten, die Politik dazu anleiten, eine wissensbasierte Besorgnis um die Intaktheit/Gesundheit/Stabilität des Systems hier und jetzt auszuräumen. In aller Regel wird die Aufsichtsbehörde Handlungen einleiten, die so in das System eingreifen, dass der Leitwert bald wieder unterschritten wird." (Umweltbundesamt, Grenzwerte Leitwerte

Bei PFOA wurde der Leitwert auf 0,1 festgelegt als "bei lebenslanger Aufnahme gesundheitlich duldbare Konzentration". Danach wäre eine kurzzeitige Überschreitung unbedenklich, solange eben die nötigen Handlungen eingeleitet werden um Abhilfe zu schaffen. (siehe Grenz-, Richt- und Leitwerte zu PFOA)

Stellungnahme Tüßling

Auf der Homepage von Kastl habe ich leider keine weiteren Infos zum Thema PFOA gefunden. 

Screening

Das LGL (bay. Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit) führt derzeit ein PFOA-Blutmonitoring durch. Insgesamt haben sich dazu 931 Personen gemeldet. 

  • Kastl und Tüßling: 283
  • Burgkirchen: 122
  • Emerting: 219
  • Neuötting und Winhöring: 98
  • Altötting: 89
  • Wasserzweckverband: 112
  • sonst: 8

Das LGL weist allerdings darauf hin, dass die Analysen aufgrund der hohen Zahl der Studienteilnehmer und der Untersuchung auf mindestens acht perfluorierte Verbindungen (PFTs) voraussichtlich einige Zeit in Anspruch nehmen werden. 

Dass die Werte erhöht sein werden kann man sich allerdings auch jetzt schon denken. 

Aber was bringt dieser Massentest? Nach meiner Überzeugung ist das mehr wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn als persönlich wichtige Information. Was bringt es dem einzelnen, zu wissen wie hoch seine eigene persönliche Belastung ist? Noch dazu, da man ja so wenig über die tatsächlichen Gefahren weiss. Aber im Zusammenhang, im Rahmen einer größeren Studie und in Verbindung mit anderen Daten wie beispielsweise Erkrankungsstatistiken kann das durchaus eine wichtige Information sein. 

Aus diesem Grunde finde ich auch Aktionen in denen versucht wird mit eigenen Analyseangeboten politisch Kapital aus der Thematik zu schlagen eher kontraproduktiv. Die Bürger werden verunsichert, es wird Angst geschürt ohne irgendeine sinnvolle Handlungsalternative zu bieten.

Fazit

Die Chemieindustrie ist mit Abstand der größte Arbeitgeber im Landkreis Altötting. Da will man es sich natürlich nicht verscherzen. Chemie bedeutet bei uns Arbeitsplätze und Wohlstand. Aber dennoch: es darf nicht sein, dass unsere Umwelt nachhaltig für Jahrzehnte vergiftet wird. Bedenkt man, dass aufgrund der bekannten Gefahren die Verwendung von PFOA in den USA bereits 2002 eingestellt wurde, so kann man sagen: "Wissentlich und mit voller Absicht"! Das darf nicht sein. Ich muss aber selber für mich eingestehen, dass mich das Thema in der Vergangenheit nicht so sehr bekümmert hatte. Wir alle sollten uns auch selber an die Nase fassen. Spätestens seit der Greenpeace-Aktion 2006 hätte uns das bewusst sein können. Schon damals hätte ein Aufschrei durch die Gesellschaft gehen müssen. Für unsere eigene Passivität können wir nicht die Politik verantwortlich machen. Eine Lehre sollte also sein, dass wir viel sensibler  mit unserer Umwelt umgehen sollten. Wir haben nur die eine.

Wie geht es jetzt weiter? Nun, Die Wasserversorgung der betroffenen Gemeinden wird auf Kosten von Dyneon mit Aktivkohlefilter ausgestattet aber keiner kann sagen, ob Dyneon noch in 100 Jahren dafür bezahlen kann. Die Belastung wird da noch bestehen.

Bleiben aber die diversen privaten Brunnen oder Fischteiche für die es sicher keine Filter gibt. 

Und das nächste Problem ist schon absehbar. Es gibt Nachfolgeprodukte, die auch heute schon bei Landkreisbürger nachweisbar sind. 

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